Agri-Photovoltaik in Ostdeutschland: Flächen doppelt nutzen
Agri-Photovoltaik bedeutet: Eine Fläche liefert Ernte und Strom zugleich. In Ostdeutschland entstehen dazu Großprojekte, und mit Moor-Photovoltaik kommt ein zweiter Flächentyp hinzu, für den inzwischen eine Handreichung vorliegt. Dieser Ratgeber ordnet ein, was davon für Ihre Fläche, Ihren Betrieb oder Ihr Dach zählt.
Agri-Photovoltaik: Eine Fläche, zwei Erträge
Bei einer klassischen Freiflächenanlage steht die Fläche für die Landwirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Agri-Photovoltaik geht einen anderen Weg: Die Module sitzen auf hochgeständerten Gestellen oder stehen senkrecht in Reihen. Darunter oder dazwischen wird weiter bewirtschaftet. Der Betrieb behält seine Ernte und gewinnt eine zweite Einnahmequelle aus dem Stromverkauf, ohne die Fläche aufzugeben.
In Ostdeutschland stehen dafür größere Flächen zur Verfügung, und die Pachtpreise liegen günstiger. Angesprochen sind vor allem landwirtschaftliche Betriebe, Gewerbetreibende mit ausreichend Grundstücksfläche und Kommunen. Die Volt Energie GmbH berät von Leipzig aus in Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin; seit 2019 hat sie über 500 Projekte realisiert.
Im brandenburgischen Steinhöfel entsteht mit dem "Klimapark" ein Agri-PV-Vorhaben des Projektierers Sunfarming. Geplant sind am Ende 753 Megawatt. Der erste Bauabschnitt umfasst 106 Megawatt, für weitere 550 Megawatt liegen die Genehmigungen vor. Nach der Projektberichterstattung wäre das eine der größten Agri-PV-Anlagen Europas. Für eigene Vorhaben ist daran vor allem eines interessant: Agri-PV ist in dieser Größenordnung genehmigungsfähig. Der Schluss, Großprojekte machten die eigene Anlage günstiger, lässt sich daraus nicht ziehen. Rechnen Sie Ihr Projekt mit eigenen Zahlen.
Tracker oder Vertikalsystem: Die Bauweise entscheidet
Zwei Bauweisen stehen im Vordergrund. Nachgeführte Systeme, sogenannte Tracker, drehen die Module dem Sonnenstand nach. Der Stromertrag steigt dadurch um bis zu 30 Prozent gegenüber starr montierten Anlagen. Dem stehen höhere Investitionskosten und bewegliche Bauteile gegenüber.
Vertikalsysteme funktionieren anders. Die Module stehen senkrecht in Reihen. Dadurch sinkt der Bedarf an Bodenfläche, und die landwirtschaftliche Nutzung bleibt erhalten.
Welche Bauweise passt, entscheidet sich an Ihrem Betrieb. Fragen Sie zuerst: Welche Kultur steht auf der Fläche? Welche Arbeitsbreite muss durchpassen? Wie viel Verschattung verträgt der Bestand? Erst danach lässt sich beurteilen, ob sich der Mehrpreis eines Trackers über die Laufzeit trägt.
Wirtschaftlichkeit realistisch Einschätzen
Für Agri-PV mit Trackern werden in Ostdeutschland häufig Amortisationszeiten von 12 bis 15 Jahren genannt, bei einer technischen Lebensdauer von über 25 Jahren. Das ist ein Orientierungswert, keine Zusage.
Klären Sie vor jedem Angebotsvergleich vier Punkte: die Entfernung zum geeigneten Netzverknüpfungspunkt, die Dauer des Genehmigungsverfahrens, den Anteil des Stroms, den Sie selbst verbrauchen, und die Kosten für Erschließung und Zuwegung. Ein Angebot ohne belastbaren Netzanschlusspunkt ist keine Kalkulationsgrundlage.
Zur Finanzierung stehen KfW-Programme und Förderangebote auf Landesebene zur Verfügung, unter anderem in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Konditionen und Fristen ändern sich. Prüfen Sie den Stand deshalb projektbezogen und vor der Auftragsvergabe. Gesunkene Modulpreise verbessern die Ausgangslage zusätzlich.
Moor-Photovoltaik: Neues Potenzial, neue Regeln
Neben Ackerflächen rückt ein zweiter Flächentyp in den Blick: degradierte Moorböden. Deutschlandweit gibt es davon rund 334.500 Hektar, viele davon in Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme beziffert das technische Potenzial dieser Standorte auf 134 bis 268 Gigawatt Photovoltaikleistung. Eine Flächenkonkurrenz zur Landwirtschaft entsteht dort nicht.
Für solche Standorte wurde eine Handreichung veröffentlicht. Sie behandelt die Anforderungen an den Bau auf Moorböden, die Einbindung der Wasserwirtschaft und die nötigen Genehmigungsverfahren.
Die 134 bis 268 Gigawatt beschreiben ein technisches Potenzial, keine Projektpipeline. Ob ein einzelner Standort trägt, klärt eine Standortprüfung. Das erste Gespräch dazu ist kostenfrei.
Sie haben kein Feld, sondern ein Dach?
Für Hausbesitzer und viele Gewerbebetriebe bleibt die Dachanlage der direkte Weg. Zur Größenordnung: Eine schlüsselfertige Anlage mit 10 kWp Leistung liegt derzeit bei 13.000 bis 16.000 Euro, zusammen mit einem Speicher von 10 kWh Kapazität bei 19.000 bis 23.000 Euro. Eine Aufschlüsselung der einzelnen Posten finden Sie unter Photovoltaik-Kosten.
Bei der Vergütung gilt seit dem 1. August 2026 für Anlagen bis 10 kWp: 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung (Anlagen bis 10 kWp), 12,22 ct/kWh bei Volleinspeisung. Diese Sätze liegen unter dem Strombezugspreis. Der wirtschaftliche Nutzen einer Dachanlage entsteht deshalb vor allem über den Eigenverbrauch, oft in Verbindung mit einem Stromspeicher. Für Freiflächen- und Agri-PV-Projekte gelten eigene Vergütungsregeln, die projektindividuell zu klären sind.
Beides schließt sich nicht aus. Ein Betrieb kann die Hallendächer belegen und parallel eine Freifläche prüfen. Planen Sie beides gleichzeitig, sollten Netzanschluss und Zählerkonzept von Anfang an gemeinsam betrachtet werden.
Häufige Fragen
Bei Agri-PV wird die Fläche weiter landwirtschaftlich genutzt. Die Module stehen auf hochgeständerten Gestellen oder senkrecht in Reihen, sodass darunter oder dazwischen weiter bewirtschaftet werden kann. Eine klassische Freiflächenanlage entzieht die Fläche der Landwirtschaft.
Nachgeführte Systeme steigern den Stromertrag um bis zu 30 Prozent gegenüber starr montierten Anlagen. Dem stehen höhere Investitionskosten und bewegliche Bauteile gegenüber. Ob sich der Mehrpreis rechnet, hängt vom Standort, der Anlagengröße und der Laufzeit ab.
Für Agri-PV mit Trackern werden in Ostdeutschland häufig 12 bis 15 Jahre genannt, bei einer technischen Lebensdauer von über 25 Jahren. Das ist ein Orientierungswert. Netzanschlussentfernung, Genehmigungsdauer, Eigenverbrauchsanteil und Erschließungskosten verschieben das Ergebnis in beide Richtungen.
Für degradierte Moorböden wurde eine Handreichung veröffentlicht, die Anforderungen an den Bau, die Einbindung der Wasserwirtschaft und die nötigen Genehmigungsverfahren beschreibt. Deutschlandweit gibt es rund 334.500 Hektar solcher Flächen. Ob ein einzelner Standort geeignet ist, klärt eine Standortprüfung vor Ort.
Für Anlagen bis 10 kWp gelten seit dem 1. August 2026 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung (Anlagen bis 10 kWp) und 12,22 ct/kWh bei Volleinspeisung. Diese Sätze liegen unter dem Strombezugspreis, weshalb der Nutzen einer Dachanlage überwiegend aus dem Eigenverbrauch entsteht. Für Freiflächen- und Agri-PV-Projekte gelten eigene Vergütungsregeln.