SCHNEELAST. ALLES WAS SIE WISSEN MÜSSEN.
In Ostdeutschland liegt die Schneelast bei 0,65–1,25 kN/m² (Schneezone 2–3). Module und Unterkonstruktion müssen darauf ausgelegt sein. Der Ertragsverlust durch Schnee beträgt nur 2–5 % des Jahresertrags.
SCHNEELAST IM ÜBERBLICK
Das Wichtigste
In Ostdeutschland liegt die Schneelast bei 0,65–1,25 kN/m² (Schneezone 2–3). Module und Unterkonstruktion müssen darauf ausgelegt sein. Der Ertragsverlust durch Schnee beträgt nur 2–5 % des Jahresertrags.
Relevante Themen
Schneezone, Statik, Ertrag Winter.
Beratung
Fragen zu Schneelast? Volt Energie berät Sie kostenlos im Rahmen Ihrer Projektanalyse.
WELCHE SCHNEELASTZONE GILT FÜR MEINEN STANDORT?
Deutschland ist nach DIN EN 1991-1-3 mit dem Nationalen Anhang (DIN EN 1991-1-3/NA) in fünf Schneelastzonen unterteilt: 1, 1a, 2, 2a und 3. Jeder Zone ist ein charakteristischer Mindestwert der Bodenschneelast sk zugeordnet — er reicht von 0,65 kN/m² in Zone 1 bis 1,10 kN/m² in Zone 3 (1 kN entspricht rund 100 kg). Entscheidend ist aber nicht nur die Zone, sondern auch die Geländehöhe über NN: sk wird über eine höhenabhängige Formel berechnet, und es gilt der jeweils größere Wert von Formel oder Mindestwert. Ostdeutschland liegt überwiegend in Zone 2 und 3, im Erzgebirge, Harz und Thüringer Wald sogar deutlich darüber. Die Zonenkarte basiert auf langjährigen Schneehöhen-Messreihen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der Nationale Anhang gilt für Geländehöhen bis 1.500 m über NN.
| Schneelastzone | Mindestwert sk (kN/m²) | entspricht ca. |
|---|---|---|
| Zone 1 | 0,65 | 65 kg/m² |
| Zone 1a | 0,81 (1,25 × Zone 1) | 81 kg/m² |
| Zone 2 | 0,85 | 85 kg/m² |
| Zone 2a | 1,06 (1,25 × Zone 2) | 106 kg/m² |
| Zone 3 | 1,10 | 110 kg/m² |
Quelle: DIN EN 1991-1-3/NA, Übersicht bei Dlubal Software.
WIE WIRD DIE SCHNEELAST AUF MEINEM DACH BERECHNET?
Maßgeblich ist nicht der Mindestwert, sondern die höhenabhängige Bodenschneelast. Nach DIN EN 1991-1-3/NA gilt mit A = Geländehöhe in Metern über NN: Zone 1 → sk = 0,19 + 0,91 · ((A+140)/760)²; Zone 2 → sk = 0,25 + 1,91 · ((A+140)/760)²; Zone 3 → sk = 0,31 + 2,91 · ((A+140)/760)². Schon ab etwa 285 m über NN wird in Zone 2 die Formel maßgebend statt des Mindestwerts. Aus der Bodenschneelast sk wird die tatsächliche Dachschneelast über den Formbeiwert µ und Beiwerte für Umgebung und Temperatur ermittelt (si = µ · Ce · Ct · sk). Bei Flachdächern bis 5° Neigung wirkt mit µ = 0,8 nahezu die volle Last; ab rund 30° Dachneigung rutscht Schnee zunehmend ab und ab 60° wird in der Statik gar keine Schneelast mehr angesetzt. Für eine prüffähige Auslegung ist immer ein Tragwerksplaner zuständig.
Quelle: DIN EN 1991-1-3/NA, Zusammenfassung.
HALTEN SOLARMODULE DER SCHNEELAST STAND?
Die Belastbarkeit von PV-Modulen wird nach IEC 61215 mit einer mechanischen Drucklast geprüft. Standardmodule sind auf 2.400 Pa ausgelegt — das entspricht rund 245 kg pro Quadratmeter. Module für schneereiche Regionen erreichen 5.400 Pa (rund 550 kg/m²), spezielle Alpinmodule bis 8.100 Pa (rund 825 kg/m²). Damit übersteht das Modul selbst die normativen Schneelasten in Ostdeutschland (Zone 2–3) in aller Regel problemlos. Der begrenzende Faktor ist meist nicht das Glas, sondern das Montagesystem: Dachhaken, Modulklemmen und Tragschienen müssen die Last über die gesamte Kette bis in die Dachsparren weiterleiten — eine Befestigung nur in der Dachlatte ist statisch unzureichend. In höheren Zonen sind deshalb mehr Befestigungspunkte nötig. Wichtig: Bei ungleichmäßig verteilten Lasten kann es bereits unterhalb des theoretischen Prüfwerts zu Schäden kommen, weshalb die saubere Auslegung des Gesamtsystems aus Modul, Klemmen, Schienen und Dachstatik entscheidend ist.
WIE STARK MINDERT SCHNEE DEN ERTRAG UND WANN BRAUCHE ICH EINEN STATIKNACHWEIS?
Der jährliche Ertragsverlust durch Schneebedeckung ist gering: In Ostdeutschland liegt er typischerweise bei nur 2–5 % des Jahresertrags, weil die ertragsstarken Monate ohnehin außerhalb der Schneesaison liegen und die meisten Module ab etwa 30° Dachneigung selbst abrutschen lassen. Statisch wichtiger als der Ertrag ist die Tragreserve des Dachs: Schnee belastet die Konstruktion dauerhaft. Ein gesonderter Statiknachweis wird in der Praxis vor allem bei Altbauten (Dachstuhl vor 1980), in Schneelastzone 2a und 3, bei Flachdächern und bei Leichtbau- oder Gründächern empfohlen oder verlangt; die Kosten dafür liegen für ein Einfamilienhaus etwa bei 500 bis 1.500 Euro. Grundsätzlich sollte vor jeder Installation die vorhandene Tragfähigkeit des Daches geprüft werden. Volt Energie berücksichtigt Schneelastzone, Geländehöhe und Dachneigung bei der Planung und bindet bei Bedarf einen Tragwerksplaner ein.