Stromspeicher für Gewerbe: Laden trotz schwachem Netz
Ein schwacher Netzanschluss muss kein Ausschlusskriterium für Ladeinfrastruktur sein. Ein Pufferspeicher zwischen Netz und Ladepunkt entkoppelt die Ladeleistung von der Anschlussleistung: Er füllt sich langsam in Schwachlastzeiten und gibt die Energie beim Ladevorgang konzentriert ab. Dieser Ratgeber zeigt, wie das funktioniert, für wen es sich rechnet und wo bidirektionales Laden zusätzlich infrage kommt.
Warum der Netzanschluss zum Engpass wird
Der Ablauf ist in vielen Betrieben derselbe: Sie planen eine Wallbox oder eine Ladesäule für Mitarbeiter, Kunden oder den eigenen Fuhrpark – und der Netzbetreiber erlaubt nur eine begrenzte Anschlussleistung. Ein Netzausbau ist teuer und dauert lange. Betroffen sind vor allem kleinere Grundstücke, Handwerksbetriebe und Mehrfamilienhäuser mit älteren Anschlüssen, wie sie in Brandenburg, Sachsen und Thüringen verbreitet sind.
Entscheidend ist dabei nicht die Energiemenge über den Tag, sondern die Leistung im Moment des Ladevorgangs. Kommen mehrere Fahrzeuge zusammen, addieren sich die Lastspitzen. Bislang war ein teurer Netzausbau nötig, um Ladesäulen an schwachen Anschlüssen zu betreiben; ein Pufferspeicher zwischen Netzanschluss und Ladepunkt eröffnet einen zweiten Weg.
Pufferspeicher an der Ladesäule: Die Funktionsweise
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat ein Megawatt-Ladesystem mit integriertem Stromspeicher entwickelt, das für begrenzte Netzanschlüsse ausgelegt ist. Der Speicher lädt sich in Zeiten niedriger Netzauslastung auf und gibt die Energie beim Ladevorgang in kurzen, hochenergetischen Ladestößen an das Fahrzeug ab, ohne den Anschluss zu überlasten.
Der Speicher wirkt damit als Zwischenlager zwischen Netzanschluss und Fahrzeug. So entstehen keine Netzengpässe und keine zusätzlichen Gebühren durch Lastspitzen.
Dasselbe Prinzip funktioniert auf der Erzeugungsseite: Der Speicher nimmt tagsüber Solarstrom vom Firmendach auf und gibt ihn ab, wenn Fahrzeuge laden. Die Ladestation wird so teilweise oder vollständig mit Solarstrom versorgt. Wer eine Photovoltaikanlage plant, sollte Ladepunkte und Speicher von Anfang an mitdenken.
Was der Speicher wirtschaftlich bringt
Der erste Effekt ist der vermiedene Netzausbau: Statt eine Leistungserhöhung zu finanzieren und auf deren Umsetzung zu warten, arbeiten Sie mit dem bestehenden Anschluss weiter. Auch der Genehmigungsprozess beschleunigt sich.
Hinzu kommt die Wirkung auf die laufenden Kosten: Der Speicher reduziert Lastspitzen und senkt damit oft auch die Netzgebühren. Spürbar wird das bei Betrieben mit registrierender Leistungsmessung, deren Netzentgelt zum Teil über die gemessene Leistungsspitze abgerechnet wird. Betriebe, die nach Standardlastprofil abgerechnet werden, zahlen keinen Leistungspreis – für sie entfällt dieser Effekt.
Für gewerbliche Betreiber amortisiert sich die Investition oft bereits innerhalb weniger Jahre, vor allem wenn öffentliche Förderungen genutzt werden. Belastbar wird die Rechnung erst mit Ihren eigenen Daten: Anschlussleistung, Lastgang, Zahl der Ladevorgänge und geplante PV-Leistung.
Interessant ist die Lösung vor allem für Handwerksbetriebe, Autohäuser, Hotels und Einkaufszentren sowie für Gewerbegebiete mit älterer Infrastruktur. Betriebe mit eigenem Fuhrpark laden ihre Fahrzeuge zeitversetzt, ohne teure Netzausbaukosten – mehr dazu auf unserer Seite zu Photovoltaik für Gewerbe. Wo der Hausanschluss die gewünschte Wallbox-Leistung nicht hergibt, puffert ein Stromspeicher den Solarstrom des Tages und lädt das Fahrzeug abends nach.
Bidirektionales laden: Der Fuhrpark als Speicher
Einen Schritt weiter geht bidirektionales Laden, kurz V2G. Die Fahrzeugbatterie wird dann nicht nur geladen, sie gibt bei Bedarf auch Energie zurück – in den Betrieb oder ins Netz. Geladen wird nachts, wenn Strom günstig ist; zurückgespeist wird tagsüber oder bei hohem Strompreis. Für Betriebe mit mehreren Fahrzeugen können so Energiekosten sinken und Einnahmen aus der Vermarktung von Flexibilität entstehen.
Ein großer Energieversorger testet diese Strategie derzeit mit 75 Elektro-Transportern im Realbetrieb. Die Fahrzeuge werden über ein virtuelles Kraftwerk in die Strommärkte eingebunden, ähnlich wie große Industriekraftwerke. Ladetechnik und Kommunikation mit dem Stromnetz arbeiten dabei automatisch im Hintergrund.
Voraussetzung ist eine bidirektionale Wallbox; eine gewöhnliche Ladeeinrichtung kann keinen Strom aus dem Fahrzeug zurückspeisen. Die Technologie wird reifer und günstiger. Erste Handwerksbetriebe und kleinere Logistiker in Sachsen und Brandenburg setzen V2G bereits ein.
So gehen Sie die Planung an
Am Anfang steht nicht die Speichergröße, sondern die Bestandsaufnahme: Welche Anschlussleistung ist vorhanden, wie sieht der Lastgang aus, wie viele Fahrzeuge sollen wann laden? Daraus ergibt sich, wie viel Energie der Puffer bereitstellen muss und mit welcher Leistung er nachgeladen werden kann.
Im zweiten Schritt gehört die Erzeugung dazu. Ein Dach, das den Speicher tagsüber füllt, verändert die Wirtschaftlichkeit, weil ein Teil des Ladestroms nicht mehr eingekauft werden muss. Fördermöglichkeiten ändern sich regelmäßig und werden im Einzelfall geprüft.
Die Volt Energie GmbH mit Sitz in Leipzig hat seit 2019 über 500 Projekte realisiert, überwiegend in Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin. Wir prüfen Ihren Netzanschluss, kalkulieren die Speichergröße und legen Ladepunkte und PV-Anlage als ein System aus. Eine erste Einschätzung erhalten Sie über unser Kontaktformular.
Häufige Fragen
Das ergibt sich aus drei Werten: der Energiemenge je Ladevorgang in Kilowattstunden, der Zahl der Ladevorgänge pro Tag und der Leistung in Kilowatt, mit der Speicher zwischen den Ladevorgängen nachgeladen werden kann. Zwei Betriebe mit identischer Ladesäule können sehr unterschiedliche Lastgänge haben. Die Auslegung erfolgt deshalb über die tatsächlichen Betriebsdaten.
Er ersetzt die Spitzenleistung, nicht die Energie. Solange der vorhandene Anschluss über den Tag genug Energie liefert, um den Speicher wieder zu füllen, ist kein Ausbau nötig. Steigt der tägliche Energiebedarf dauerhaft über das, was der Anschluss bereitstellen kann, bleibt eine Ertüchtigung erforderlich. Diese Grenze sollte vor der Investition berechnet werden.
Ja, wenn der Nutzen vor allem aus vermiedenem Netzausbau und gekappten Lastspitzen kommt. Der Speicher lädt dann in Schwachlastzeiten aus dem Netz. Mit einer PV-Anlage verbessert sich die Rechnung, weil ein Teil des Ladestroms nicht mehr eingekauft werden muss: Für Anlagen bis 10 kWp liegt die Einspeisevergütung seit dem 01.08.2026 bei 7,70 ct/kWh in der Teileinspeisung und 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung – im eigenen Fahrzeug ersetzt dieselbe Kilowattstunde Netzbezug zum Arbeitspreis Ihres Versorgers.
Für ein Einfamilienhaus liegt eine schlüsselfertige 10-kWp-Anlage bei 13.000 bis 16.000 Euro, mit einem 10-kWh-Speicher bei 19.000 bis 23.000 Euro. Gewerbliche Anlagen mit Ladeinfrastruktur lassen sich nicht pauschal beziffern: Speichergröße, Ladeleistung und der Zustand des Netzanschlusses bestimmen den Preis. Diese Positionen werden im Angebot einzeln ausgewiesen.
Ja. V2G setzt eine bidirektionale Ladeeinrichtung und die passende Kommunikation mit dem Stromnetz voraus; eine gewöhnliche Wallbox kann keinen Strom aus dem Fahrzeug zurückspeisen. Auch das Fahrzeug muss die Funktion unterstützen. Vor einer Fuhrpark-Entscheidung sollten Sie beide Punkte prüfen lassen.