Ihr Tag passt zur Sonne. Ihr Hausanschluss nicht immer.
Werkstattbetrieb von sieben bis siebzehn Uhr deckt sich fast perfekt mit der Erzeugungskurve — das ist die gute Nachricht. Die weniger gute: Nicht die Dachfläche begrenzt die Anlage, sondern das, was Ihr Anschluss an Leistung hergibt, wenn die Absaugung, die große Säge und drei Ladepunkte gleichzeitig ziehen.
Zwei Zahlen, die gern verwechselt werden
Im Handwerk wird die Anlagengröße oft aus dem Jahresverbrauch abgeleitet. Das ist die eine Zahl. Die andere ist Ihre gleichzeitig abgerufene Leistung — sie entscheidet, ob im Bestand gebaut werden kann oder ob der Netzbetreiber zuerst den Hausanschluss anfassen muss. Ein Betrieb mit 45.000 Kilowattstunden im Jahr kann eine höhere Spitze haben als einer mit 90.000.
Deshalb steht beim ersten Termin nicht das Maßband auf dem Dach, sondern die Frage, was gleichzeitig läuft. Die folgende Aufstellung ist eine Planungsgrundlage aus unseren Projekten in Metall-, Holz- und Ausbaugewerken — keine Statistik.
| Verbraucher | Verhalten beim Einschalten | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Drehstrommaschinen an Säge, Fräse, Drehbank | kurzer Stromstoß beim Anlauf, danach ruhiger Betrieb | für die Anlagengröße belanglos, für Absicherung und Spannungsqualität nicht |
| Zentrale Späneabsaugung oder Filteranlage | läuft mit der Fertigung durch, hohe Dauerleistung | der zuverlässigste Solarverbraucher im Haus |
| Schweiß- und Schneidtechnik | sekundenweise sehr hohe Spitzen, im Mittel wenig Arbeit | treibt die Leistungsspitze, kaum den Jahresverbrauch |
| Hallenheizung, Trockner und Bautrockner im Winter | Dauerlast in der ertragsärmsten Zeit | bleibt weitgehend Netzbezug, auch mit großem Dach |
| Ladepunkte für Transporter | planbar, aber meist abends nach der Rückkehr | nur mit Zeitsteuerung oder Speicher solar zu decken |
Wir legen beide Spalten nebeneinander und kommen in dieser Betriebsgröße meist bei Anlagen zwischen 20 und 60 Kilowatt Peak heraus.
Was der Hausanschluss noch hergibt
Viele Hallen aus den Neunzigern hängen an einem Anschluss, der für die damalige Maschinenausstattung bemessen wurde. Seitdem kamen CNC-Technik, Absaugung und Ladepunkte dazu. Ein Anspruch auf Netzanschluss besteht nach § 17 des Energiewirtschaftsgesetzes, aber zu den Bedingungen des Netzbetreibers — und eine Verstärkung kostet Zeit.
Erzeugungsanlagen kommen dabei aus der anderen Richtung: Bis 135 Kilowatt Wirkleistung wird nach der Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 angeschlossen, einphasige Einspeisung ist nur bis 4,6 Kilovoltampere Schieflast je Außenleiter zulässig. Für die Verteilung im Haus nennt § 13 Abs. 4 der Niederspannungsanschlussverordnung eine harte Zahl: Zwischen Hausanschluss und Messeinrichtung darf der Spannungsfall 0,5 Prozent nicht überschreiten (§ 13 NAV, gesetze-im-internet.de). In langen Hallen mit weit entfernter Unterverteilung ist genau das der Punkt, an dem eine Planung teurer wird als gedacht.
Steuern statt verstärken. In den meisten Fällen ist nicht mehr Anschlussleistung die Lösung, sondern weniger Gleichzeitigkeit. Ein Lastmanagement, das die Ladepunkte zurücknimmt, solange die Absaugung läuft, verhindert die teure Netzverstärkung — und verschiebt nebenbei Verbrauch in die Sonnenstunden.
Der Transporter steht tagsüber auf der Baustelle
Das ist der unbequeme Teil jeder Elektrifizierungsrechnung im Handwerk. Ein Kastenwagen, der morgens rausfährt und um halb fünf zurückkommt, lädt genau dann, wenn vom Dach nichts mehr kommt.
Drei Wege führen aus dem Problem, und keiner heißt „mehr Module“. Erstens der Speicher, der mittags einsammelt und ab siebzehn Uhr die Ladepunkte bedient. Zweitens das Fahrzeug, das planmäßig im Hof bleibt — Reservewagen, Anhängerzug, Fahrzeuge in der Werkstattwoche. Drittens die Ladesteuerung, die auf Überschuss wartet. Welche Mischung trägt, hängt an Ihrem Tourenplan.
Ab 100.000 Kilowattstunden wird jede Viertelstunde gezählt
Unterhalb einer jährlichen Entnahme von 100.000 Kilowattstunden wickeln Verteilnetzbetreiber die Lieferung im Niederspannungsnetz nach standardisierten Lastprofilen ab (§ 12 Abs. 1 StromNZV). Darüber wird der Lastgang viertelstündlich erfasst — und das Netzentgelt bekommt neben dem Arbeitspreis einen Leistungspreis, der sich an Ihrer höchsten Viertelstunde des Jahres bemisst.
Für Betriebe knapp unter dieser Schwelle ist das eine Planungsfrage: Wer den Fuhrpark elektrifiziert, rutscht schnell darüber. Ein Speicher lohnt sich dann nicht nur über den Eigenverbrauch, sondern auch über die gekappte Spitze.
Was eine Hallenanlage im Handwerk kostet
Der Preis hängt bei Ihnen weniger an den Modulen als an den Wegen: Kabeltrasse von der Dachmitte zur Verteilung, Zustand der Hauptverteilung, Blitzschutz, oft eine zweite Unterverteilung für die Ladepunkte. Eine belastbare Spanne nennen wir deshalb erst nach dem Aufmaß. Zur groben Einordnung aus dem privaten Bereich: zehn Kilowatt Peak schlüsselfertig 14.400 bis 19.400 Euro, mit einem Speicher von zehn Kilowattstunden 17.800 bis 24.100 Euro — Endpreise einschließlich Umsatzsteuer, wie es § 3 der Preisangabenverordnung verlangt.
Steuerlich sind Sie als Unternehmen anders gestellt als ein Privathaushalt. Der Nullsteuersatz nach § 12 Abs. 3 UStG greift bei einer reinen Werkstatthalle nur über die Vereinfachung bis dreißig Kilowatt Peak Bruttoleistung; darüber wird der Regelsteuersatz fällig, den ein vorsteuerabzugsberechtigter Betrieb im Regelfall zurückholt. Wirtschaftlich entscheidet für Sie eher der § 7g EStG: Bis zur Hälfte der geplanten Anschaffungskosten lässt sich vorab gewinnmindernd abziehen, solange Ihr Gewinn die Grenze von 200.000 Euro nicht überschreitet.
Wie lange es bis zum Ausgleich dauert, hängt bei Ihnen vor allem am Anteil der Werkstattzeit im Erzeugungsfenster und an Ihrem Arbeitspreis. Wir rechnen mit Ihren Zahlen statt mit Branchenmitteln — und jede solche Rechnung bleibt eine Modellrechnung, keine Zusage.
Vier Schritte bis zur Inbetriebnahme
Gleichzeitigkeit aufnehmen
Wir sehen uns Maschinenpark, Schichtmodell und Tourenplan an und messen bei Bedarf vier Wochen an der Hauptverteilung mit.
Anschluss klären
Welche Leistung liegt an, was ist frei, reicht die Verteilung? Erst danach entsteht eine Anlagengröße — und nicht umgekehrt.
Dach, Statik, Anmeldung
Aufbau und Lastreserve der Halle, Trassenführung, Netzanfrage beim Verteilnetzbetreiber, Messkonzept und Zählerplatz.
Montage ohne Stillstand
Abschaltungen legen wir in Randzeiten. Danach Abnahme, Eintrag im Marktstammdatenregister und Einweisung Ihrer Leute.
Was Betriebsinhaber uns zuerst fragen
Nein, die Anlagengröße nicht. Anlaufströme dauern Bruchteile einer Sekunde und tauchen in keiner Energiebilanz auf. Sie sind eine Frage der Absicherung, der Leitungsquerschnitte und der Spannungsqualität. Begrenzt wird die Anlage von der Dachfläche und von der Leistung, die Ihr Hausanschluss dauerhaft trägt.
Meistens nicht. Zuerst prüfen wir, ob sich die Gleichzeitigkeit senken lässt — etwa indem ein Lastmanagement die Ladepunkte zurücknimmt, solange die Absaugung läuft. Eine Verstärkung wird erst zum Thema, wenn auch gesteuert dauerhaft mehr Leistung gebraucht wird als vorhanden ist.
Ja, aber nicht wegen der Fahrzeuge. Getragen wird die Rechnung von Absaugung, Beleuchtung, Druckluft und Maschinenbetrieb während der Arbeitszeit. Die Ladepunkte kommen über einen Speicher oder über Fahrzeuge dazu, die planmäßig im Hof bleiben. Wir rechnen beide Anteile im Angebot getrennt aus.
Nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung nur der Netzbetreiber selbst oder ein Installationsunternehmen, das in sein Installateurverzeichnis eingetragen ist. Die Eintragung darf der Netzbetreiber ausschließlich vom Nachweis ausreichender fachlicher Qualifikation abhängig machen. Der Anschlussnehmer bleibt für die Anlage verantwortlich, auch wenn er die Arbeiten vergibt.
Das ist der Punkt, den wir vor der Auslegung klären. Montagelastige Gewerke haben im Juli deutlich weniger Werkstattbetrieb als im Februar, ausgerechnet im ertragsstärksten Monat. Wo das zutrifft, fällt die Anlage kleiner aus oder der Überschuss wird bewusst eingeplant statt schöngerechnet.
Dann endet die Abrechnung nach Standardlastprofil und Ihr Lastgang wird viertelstündlich erfasst. Das Netzentgelt enthält ab diesem Punkt einen Leistungspreis, der sich nach der höchsten gemessenen Viertelstunde richtet. Ein Speicher zahlt sich dann doppelt aus: über Eigenverbrauch und über die gekappte Spitze.