Geltungsbereich
Die VDE 0100-410 regelt den Schutz von Personen und Nutztieren gegen elektrischen Schlag in Niederspannungsanlagen bis 1.000 V Wechselspannung bzw. 1.500 V Gleichspannung. Sie unterscheidet zwischen Basisschutz (Schutz gegen direktes Berühren spannungsführender Teile) und Fehlerschutz (Schutz bei indirektem Berühren, z. B. durch einen Isolationsfehler). Beide Schutzmaßnahmen müssen in jeder elektrischen Anlage umgesetzt sein.
Wichtigste Anforderungen
Alle Steckdosenstromkreise bis einschließlich 32 A Bemessungsstrom müssen über einen Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 mA geschützt werden. Die Stromkreise einer Verteilung dürfen nicht alle über einen einzigen RCD geführt werden — mindestens zwei RCDs sind vorgeschrieben, um bei Auslösung eines RCDs nicht die gesamte Anlage abzuschalten. Die Abschaltzeiten im Fehlerfall sind streng definiert: Im TN-Netz muss die Abschaltung innerhalb von 0,4 Sekunden erfolgen, im TT-Netz innerhalb von 0,2 Sekunden.
Praxisrelevanz für Hausbesitzer
Jeder Zählerkasten in einem Wohnhaus muss mit FI-Schutzschaltern ausgestattet sein. In vielen Altbauten ist nur ein einziger FI für die gesamte Anlage verbaut — das widerspricht der Norm und führt bei Auslösung zum Totalausfall. Bei der Nachrüstung einer PV-Anlage, einer Wallbox oder einer Wärmepumpe wird der Bestandsschutz aufgehoben: Der Elektriker muss prüfen, ob ausreichend RCDs vorhanden sind und ob die richtigen FI-Typen verbaut wurden. Eine Wallbox benötigt beispielsweise mindestens einen RCD Typ A-EV oder Typ B.
Technische Details
Typ A erfasst pulsierende Gleichfehlerströme und Wechselfehlerströme. Er ist der Standard-FI für Haushaltsstromkreise.
Typ F wurde mit der Ausgabe 2018-10 eingeführt und erkennt zusätzlich Fehlerströme mit Mischfrequenzen, wie sie bei Frequenzumrichtern in Waschmaschinen, Klimaanlagen oder Wärmepumpen auftreten.
Typ B erkennt alle Fehlerstromformen einschließlich glatter Gleichfehlerströme. Wird z. B. für Wallboxen ohne integrierten DC-Fehlerstromsensor benötigt.
Typ A-EV ist ein Typ-A-RCD mit integrierter 6 mA-DC-Fehlerstromüberwachung, speziell für Ladeinfrastruktur nach IEC 61851 konzipiert.
Im TN-Netz (in Deutschland Standard) muss die Schutzeinrichtung bei einem Fehler an Endstromkreisen innerhalb von 0,4 Sekunden abschalten. Für Verteilungsstromkreise gilt eine Abschaltzeit von 5 Sekunden.
Im TT-Netz beträgt die maximale Abschaltzeit für Endstromkreise 0,2 Sekunden. Hier ist der RCD in der Regel die einzige Schutzeinrichtung, da die Erdungsschleifenimpedanz häufig zu hoch für eine sichere Abschaltung durch Überstromschutzeinrichtungen ist.
Selektivität bedeutet, dass bei einem Fehlerstrom nur der RCD auslöst, der dem Fehlerort am nächsten ist. Dazu muss der vorgeschaltete RCD selektiv (Typ S, zeitverzögert) ausgeführt sein und einen höheren Bemessungsdifferenzstrom besitzen (z. B. 300 mA selektiv vorgeschaltet, 30 mA nachgeschaltet). Ohne Selektivität lösen bei einem Fehler beide RCDs aus und es kommt zu unnötigen Abschaltungen.
Häufige Mängel
- Kein FI-Schutzschalter vorhanden — besonders in Altbauten vor 2009
- Nur ein einziger FI für die gesamte Anlage, keine Aufteilung auf mindestens 2 RCDs
- Falscher FI-Typ für Wallbox verbaut (Typ A statt Typ B oder Typ A-EV)
- FI-Schutzschalter löst nicht aus — Testknopf wurde nie betätigt
- Abschaltzeiten werden überschritten, weil die Erdungsschleifenimpedanz zu hoch ist
Checkliste
- Sind FI-Schutzschalter (RCDs) in der Verteilung vorhanden?
- Welcher FI-Typ ist verbaut (A, B, F, A-EV)?
- Welchen Bemessungsdifferenzstrom hat der RCD (≤30 mA für Steckdosen)?
- Sind die Stromkreise auf mindestens 2 RCDs aufgeteilt?
- Wurde die Prüftaste innerhalb der letzten 6 Monate betätigt?
- Ist für die Wallbox der passende FI-Typ (B oder A-EV) vorhanden?