Geltungsbereich
Die VDE-AR-N 4100 (Technische Anschlussregeln Niederspannung) definiert die Anforderungen für den Anschluss von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz. Sie regelt den Aufbau des Zählerplatzes, die Schnittstelle zwischen Netzbetreiber und Kundenanlage und die Voraussetzungen für den Einbau moderner Messeinrichtungen (Smart Meter). Die Norm ist die Grundlage für die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) aller deutschen Netzbetreiber.
Wichtigste Anforderungen
Der Zählerschrank muss ein 40 mm-Sammelschienensystem (5-polig: L1, L2, L3, N, PE) besitzen. Im Netzanschlussraum (NAR) sind ausschließlich SLS-Schalter (Selektive Leitungsschutzschalter) zulässig — NH00-Sicherungen dürfen nicht mehr eingesetzt werden. Der Raum für Zähler (RfZ) stellt 12 TE (Teilungseinheiten) für den Messstellenbetreiber bereit und darf nicht für eigene Sicherungsautomaten genutzt werden. Für den Einbau eines Smart Meter Gateways muss ein APZ (Anschlussplatz Zähler) vorgesehen werden, einschließlich einer dauerhaften Spannungsversorgung für das Gateway.
Praxisrelevanz für Hausbesitzer
Bei der Nachrüstung einer PV-Anlage, einer Wallbox oder einer Wärmepumpe entfällt der Bestandsschutz für den Zählerkasten. Das bedeutet: Ein alter Zählerkasten mit NH00-Sicherungen und ohne 40 mm-Sammelschienensystem muss unter Umständen komplett getauscht werden. Die Kosten dafür liegen typischerweise zwischen 1.500 und 3.500 Euro. Ladegeräte für Elektrofahrzeuge mit mehr als 4,6 kVA Leistung sind beim Netzbetreiber anmeldepflichtig, ab 12 kVA genehmigungspflichtig. Ohne freie Zählerplätze kann keine Erzeugungsanlage angeschlossen werden.
Technische Details
Der SLS-Schalter (Selektiver Leitungsschutzschalter) ist die normgerechte Absicherung im Netzanschlussraum. Er unterscheidet sich vom normalen LS-Schalter durch:
Baubreite: Ein SLS ist 1,5 TE breit (27 mm) pro Pol, ein normaler LS ist 1 TE (18 mm).
Kennlinie E: Der SLS besitzt die Kennlinie E (ehemals Charakteristik gG), die selektiv zur vorgelagerten NH-Sicherung des Netzbetreibers auslöst. Normale LS haben die Kennlinien B, C oder D.
Plombierbarkeit: Der SLS kann vom Netzbetreiber plombiert werden. Ein normaler LS darf im Bereich des Netzbetreibers nicht eingesetzt werden.
Erkennung: SLS-Schalter sind an der Kennzeichnung „E“ auf dem Typenschild und der größeren Baubreite erkennbar. Sie haben typischerweise 35 A oder 63 A Bemessungsstrom.
Der Zählerplatz ist in drei Bereiche gegliedert:
NAR (Netzanschlussraum, 300 mm): Enthält die SLS-Schalter und ggf. den Überspannungsschutz Typ 1. Dieser Bereich gehört zum Netzbereich und ist plombiert.
Zählerfeld (ZF, 450 mm): Enthält den Zähler als eHZ (elektronischer Haushaltszaehler) in der BKE-I-Aufnahme (Befestigungs- und Kontaktiereinrichtung) oder als Dreipunkt-Befestigung. Der RfZ (Raum für Zähler) bietet 12 TE für den Messstellenbetreiber und darf nicht anderweitig belegt werden.
AAR (Anschluss-Anlagenraum, 300 mm): Enthält die Sicherungsautomaten und RCDs der Kundenanlage. Hier beginnt der Bereich des Anlagenbetreibers.
Der APZ (Anschlussplatz Zähler) ist ein zusätzlicher Einbauplatz für das Smart Meter Gateway und die dazugehörige Kommunikationseinheit. Er wird im oberen Bereich des Zählerschranks vorgesehen und benötigt:
• Eine dauerhafte 230 V-Spannungsversorgung (nicht über SLS abgesichert)
• Platz für die CLS-Schnittstelle (Controllable Local Systems) zur Steuerung von PV-Anlage, Wärmepumpe oder Wallbox
• Eine Netzwerkverbindung (LAN oder DSL) zum Gateway
Ab 2025 werden Smart Meter Gateways flächendeckend für Verbraucher ab 6.000 kWh/a und alle Erzeugungsanlagen ab 1 kW eingebaut. Ohne APZ kann der Messstellenbetreiber das Gateway nicht installieren.
Häufige Mängel
- NH00-Sicherungen statt SLS-Schalter im Netzanschlussraum verbaut
- Kein 5-poliges 40 mm-Sammelschienensystem vorhanden (alter Zählerkasten)
- Fehlender APZ — kein Platz für Smart Meter Gateway
- RfZ (Raum für Zähler) mit eigenen Sicherungsautomaten belegt
- Zu wenig freie Zählerplätze für PV-Anlage oder Wärmepumpe
- Keine Spannungsversorgung für Smart Meter Gateway vorgesehen
Checkliste
- Sind SLS-Schalter (keine NH00) im Netzanschlussraum verbaut?
- Ist ein 5-poliges 40 mm-Sammelschienensystem vorhanden?
- Gibt es freie Zählerplätze für Erweiterungen (PV, Wallbox)?
- Ist ein APZ für das Smart Meter Gateway vorhanden oder nachrüstbar?
- Ist der RfZ frei von anlagenseitigen Einbauten?
- Ist eine Spannungsversorgung für das Gateway vorgesehen?