Photovoltaik in Gelsenkirchen — leerer Fördertopf, volle Dächer
Am 6. Oktober 2025 meldete die Stadt, ihr Fördertopf für Photovoltaikanlagen sei „voll ausgeschöpft“ — über 440 Anträge mit mehr als 2.000 kWp. Für 2026 bleibt ein Baustein: 100 Euro für ein Stecker-Solargerät, befristet bis zum 13. Dezember 2026. Gelsenkirchen hat 266.199 Einwohnerinnen und Einwohner (IT.NRW, 31.12.2025); von unserem Krefelder Lager sind es 60,7 Kilometer.
Vier Dinge, die hier über ein Solarprojekt entscheiden
ELE Verteilnetz — und ein Verzeichnis, das zählt
Das Netz führt die ELE Verteilnetz GmbH: „Als unabhängiger Netzbetreiber betreiben wir gemäß Energiewirtschaftsgesetz die Strom- und Gasnetze in den Städten Bottrop, Gladbeck und Gelsenkirchen.“ Grundversorger ist die Emscher Lippe Energie GmbH. Im Einspeiserportal gilt eine Staffelung: Anlagen bis 800 VA gehen direkt ans Marktstammdatenregister, darüber muss ein im Installateursverzeichnis eingetragenes Elektrofachunternehmen ran.
Werkssiedlungen prägen ein Zehntel des Bestands
Kaum eine Stadt trägt ihre Industriegeschichte so sichtbar im Wohnungsbestand: „Von Beginn der Industrialisierung um 1860 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges sind etwa 60 größere und kleinere Werkssiedlungen entstanden“ — sie bilden „mindestens ein Zehntel des Wohnungsbestandes“, darunter die Schüngelberg-Siedlung in Buer. Die Förderrichtlinie verlangt Vereinbarkeit mit den „jeweils gültigen Gestaltungs- oder Denkmalbereichssatzungen“.
Ein Baustein übrig, mit Ablaufdatum
Die Richtlinie zur Förderung von Photovoltaikanlagen zahlt einen „Zuschuss von 100 Euro pro Anlage“ für Stecker-Solargeräte bis 800 Watt Wechselrichterleistung — höchstens ein Gerät je Wohneinheit. Beantragt wird nach Inbetriebnahme über das Serviceportal, per Mail an foerderprogramm-pv@gelsenkirchen.de oder beim Referat Umwelt.
solarGEdacht und das RVR-Kataster
Gelsenkirchen ist seit 2019 Pilotkommune der Solarmetropole Ruhr; das städtische Netzwerk solarGEdacht bindet das Solarpotenzialkataster des Regionalverbands Ruhr ein. Für die Feinplanung bleibt das Aufmaß unverzichtbar — bei den engen Dachgeometrien der Siedlungsbauten kosten Kamine und Gauben mehr Fläche, als ein Luftbild vermuten lässt.
Einspeiseanfrage bei der ELE Verteilnetz GmbH
Die Regeln sind nach Anlagengröße gestaffelt, und das bestimmt, wer den Antrag stellen darf. Steckerfertige Anlagen bis 800 VA melden Sie selbst im Einspeiserportal. Darüber gilt: „Bei einer Leistung zwischen 801 VA und 135 kVA können Sie durch ein Elektrofachunternehmen die qualifizierte Einspeiseanfrage stellen lassen.“ Eine Dachanlage auf einem Reihenhaus fällt genau in dieses Band.
Zwei Details entscheiden über einen glatten Ablauf: Das beauftragte Unternehmen muss im Installateursverzeichnis eingetragen sein, und für Speicher über 4,2 kW verlangt der Netzbetreiber einen zusätzlichen Inbetriebsetzungsauftrag. Oberhalb von 135 kVA gibt es Formulare zum Herunterladen.
Nach der Zusage folgen Montage, Inbetriebsetzung, Zählertausch und die Registrierung im Marktstammdatenregister. Weil die ELE Verteilnetz GmbH auch die Netze in Bottrop und Gladbeck betreibt, gilt dieser Weg über die Stadtgrenze hinaus — in Bochum führt dagegen die Stadtwerke Bochum Netz GmbH das Verfahren, in Essen Westnetz und in Oberhausen die Oberhausener Netzgesellschaft.
Alte Dächer, viele Vermieter: der Gelsenkirchener Bestand
Gelsenkirchen hat unter unseren Ruhrstädten den ältesten Wohngebäudebestand. Nach dem Zensus 2022 (IT.NRW, Tab. 3.2, Stichtag 15.05.2022) stammen 35,5 Prozent der 39.251 Wohngebäude ohne Wohnheime aus der Zeit vor 1950 und 35,9 Prozent aus den Jahren 1950 bis 1969. Jede seriöse Planung beginnt hier mit der Unterkonstruktion: Spitzboden öffnen, Sparrenabstände messen, Anschlüsse fotografieren — erst danach steht die Modulbelegung fest.
| Bauzeit | Gebäude | Anteil |
|---|---|---|
| vor 1950 | 13.936 | 35,5 % |
| 1950 – 1969 | 14.100 | 35,9 % |
| 1970 und später | 11.223 | 28,6 % |
Auffällig ist die Eigentümerstruktur: 67,1 Prozent der Wohngebäude gehören Privatpersonen, 14,1 Prozent privatwirtschaftlichen Wohnungsunternehmen (Tab. 3.5) — unser höchster Wert und ein Nachhall der Werkswohnungsgeschichte. Der Wohnungsmarktbericht zählte 2020 143.040 Wohneinheiten in 40.073 Gebäuden, davon „ungefähr 48,6 % der Gebäude“ Ein- und Zweifamilienhäuser; das Handlungskonzept Wohnen verortet sie „tendenziell an den Stadtteil- bzw. Siedlungsrändern“.
Drittes Thema ist der Untergrund. Die RAG weist darauf hin, dass die Steinkohlenförderung Hohlräume erzeugte, die „Verformungen, wie beispielsweise Senkungen“ verursachen können. Für ein einzelnes Grundstück behaupten wir dazu nichts. Wer Gewissheit möchte, nutzt den Bürgerinformationsdienst der RAG, die Hotline 0800 / 27 27 271 (Mo–Fr 8–14 Uhr) oder beantragt formlos eine Auskunft bei der Bezirksregierung Arnsberg für pauschal 30 Euro.
Womit wir in Gelsenkirchen helfen
Dachanlage auf Altbausubstanz
Bei sieben von zehn Häusern aus der Zeit vor 1970 ist die Unterkonstruktion die Planungsfrage. Wir bewerten Sparren, Lattung und Deckung und sagen offen, wenn zuerst das Dach dran wäre. Details: Photovoltaik, Dach-Check.
Speicher mit Anmeldepflicht im Blick
Ab 4,2 kW verlangt die ELE Verteilnetz GmbH einen zusätzlichen Inbetriebsetzungsauftrag — das planen wir von Anfang an mit ein. Die Größe leiten wir aus Ihrem Lastgang ab. Mehr: Stromspeicher, Sigenergy, Speichertest 2026.
Wallbox und Überschussladen
Ein Ladepunkt hebt den Eigenverbrauch deutlich — der Hebel, der bleibt, seit der Fördertopf leer ist. Wir prüfen Zählerschrank, Absicherung und Leitungsweg. Auswahl: Wallboxen im Vergleich, Wallbox.
Was eine Anlage kostet, wenn der Topf leer ist
Seit dem 6. Oktober 2025 gibt es für Dachanlagen keinen städtischen Zuschuss mehr. Umso wichtiger, dass der Preis stimmt: Eine 10-kWp-Anlage kostet bei uns 14.400 bis 19.400 Euro, mit 10-kWh-Speicher 17.800 bis 24.100 Euro, ein Ladepunkt 800 bis 2.200 Euro. Entscheidend sind Dachform, Deckung, Gerüst und Leitungsweg.
| Umfang | Was dazugehört | Preis |
|---|---|---|
| Dachanlage 10 kWp | Module, Wechselrichter, Befestigung, Montage, Einspeiseanfrage | 14.400 – 19.400 € |
| Dachanlage mit 10 kWh Speicher | Anlage einschließlich Batteriespeicher und Regelung | 17.800 – 24.100 € |
| Ladepunkt 11 kW | Wallbox, Montage, Anmeldung beim Netzbetreiber | 800 – 2.200 € |
| Rückfluss der Investition | Speicheranlage, modellhaft gerechnet | 8 – 13 Jahre* |
* Modellrechnung und keine Garantie — Verbrauch, Eigenverbrauchsanteil, Strompreis und Anlagengröße verändern das Ergebnis spürbar; alle Annahmen stehen unter Amortisation Photovoltaik. Umsatzsteuerlich gilt für Anlage und Speicher der Nullsatz nach § 12 Abs. 3 UStG, für die Wallbox nicht — deren Preis ist ein Endpreis inklusive Umsatzsteuer nach § 3 PAngV.
Ein Wort zur Steuer: Für Photovoltaikanlagen und Stromspeicher gilt nach § 12 Abs. 3 UStG der Umsatzsteuersatz von null Prozent — für Wallboxen nicht. Unsere Wallbox-Spanne ist daher ein Endpreis einschließlich Umsatzsteuer nach § 3 PAngV. Weist ein Angebot dort netto aus, fehlt noch die Steuer.
Verlässlich bleibt die gesetzliche Vergütung: 7,70 Cent je Kilowattstunde Überschuss, 12,22 Cent bei Volleinspeisung, bis 10 kWp seit dem 1. August 2026 (Einspeisevergütung 2026). Weil hier kein Zuschuss mehr dazukommt, verschiebt sich das Gewicht noch stärker auf den Eigenverbrauch. Die vollständige Rechnung steht unter Photovoltaik-Kosten.
Was Gelsenkirchen 2026 noch bezuschusst
Stecker-Solar: 100 Euro bis Mitte Dezember
Für ein Stecker-Solargerät bis 800 Watt Wechselrichterleistung zahlt die Stadt „einen Zuschuss von 100 Euro pro Anlage“, höchstens ein Gerät je Wohneinheit und höchstens den Kaufpreis. Der Antrag wird erst nach Inbetriebnahme gestellt. Ausgeschlossen sind Geräte mit MaStR-Anmeldung vor dem 01.01.2024; die Richtlinie ist bis zum 13.12.2026 befristet.
Dach-Photovoltaik: Topf leer
Am 6. Oktober 2025 teilte die Stadt mit, der Fördertopf für Photovoltaikanlagen sei „voll ausgeschöpft“ — mehr als 440 Anträge mit über 2.000 kWp. Die aktuelle Förderübersicht führt für 2026 nur Stecker-Solar; eine Dach-PV- oder Speicherförderung ist dort nicht aufgeführt. Wir kalkulieren ohne.
Das Ziel dahinter
Gelsenkirchen hat 2019 den Klimanotstand erklärt: „zur vorzeitigen Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 statt 2050 wurde im Prozess die Bezeichnung dieses Konzeptes daher auf Klimakonzept 2030/2045 angepasst“. Dass ein Fördertopf binnen eines Jahres ausgeschöpft wird, passt zu diesem Tempo. Landesmittel ordnen wir unter Förderung NRW ein.
Wie wir in Gelsenkirchen vorgehen
Vorabcheck über solarGEdacht
Das städtische Netzwerk solarGEdacht bindet das Solarpotenzialkataster des Regionalverbands Ruhr ein — damit lässt sich Ihre Dachfläche in wenigen Minuten einordnen. Kommt sie in Frage, vereinbaren wir einen Termin.
Aufmaß mit Blick auf Satzungen
Wir messen die Fläche, beurteilen den Dachstuhl von innen und klären, ob eine Gestaltungs- oder Denkmalbereichssatzung gilt — bei rund 60 Werkssiedlungen keine Randfrage.
Qualifizierte Einspeiseanfrage
Für Anlagen zwischen 801 VA und 135 kVA stellt ein im Installateursverzeichnis eingetragenes Elektrofachunternehmen die Anfrage im Portal der ELE Verteilnetz GmbH. Wir liefern das Datenpaket und denken den Inbetriebsetzungsauftrag für Speicher über 4,2 kW mit.
Montage und Übergabe
Gerüst, Aufbau, Elektroanschluss, Inbetriebsetzung, Zählertausch, Marktstammdatenregister. Am Ende gehen wir App, Speicherregelung und Abschaltung durch und übergeben die Dokumentation digital.
Häufige Fragen zu PV in Gelsenkirchen
Nach derzeitigem Stand nicht. Die Stadt meldete am 6. Oktober 2025, der Fördertopf sei „voll ausgeschöpft“ — über 440 Anträge mit mehr als 2.000 kWp. Die Förderübersicht listet für 2026 nur noch Stecker-Solargeräte. Eine Information zur Fortführung hatte die Stadt angekündigt; solange die fehlt, rechnen wir ohne Zuschuss.
Gefördert werden steckerfertige Geräte bis 800 Watt Wechselrichterleistung mit „einem Zuschuss von 100 Euro pro Anlage“, begrenzt auf ein Gerät je Wohneinheit und auf höchstens 100 Prozent des Kaufpreises. Der Antrag wird erst nach Inbetriebnahme gestellt — über das Serviceportal, per E-Mail oder in Papierform beim Referat Umwelt. Geräte mit MaStR-Registrierung vor dem 1. Januar 2024 sind ausgeschlossen; die Richtlinie endet am 13. Dezember 2026.
Das hängt an der Leistung. Steckerfertige Anlagen bis 800 VA melden Sie selbst im Einspeiserportal. Für den Bereich „zwischen 801 VA und 135 kVA“ können Sie die qualifizierte Einspeiseanfrage „durch ein Elektrofachunternehmen … stellen lassen“, das im Installateursverzeichnis eingetragen sein muss.
Ab mehr als 4,2 kW verlangt die ELE Verteilnetz GmbH einen zusätzlichen Inbetriebsetzungsauftrag. Wer Anlage und Speicher zusammen beauftragt, erledigt das in einem Durchgang; wer nachrüstet, geht den Schritt separat. Im Angebot weisen wir aus, welche Anmeldungen anfallen.
Häufig ja, aber es braucht eine Prüfung. Die Stadt zählt etwa 60 Werkssiedlungen aus der Zeit zwischen 1860 und dem Ende des Ersten Weltkriegs, die „mindestens ein Zehntel des Wohnungsbestandes“ ausmachen — darunter die Schüngelberg-Siedlung in Buer, „wohl die letzte in Deutschland gebaute Bergarbeitersiedlung“. Die Förderrichtlinie verlangt Vereinbarkeit mit den „jeweils gültigen Gestaltungs- oder Denkmalbereichssatzungen“; welche für Ihre Adresse gilt, klären wir vorab.
Gelsenkirchen ist Zechenstadt mit Schachtanlagen wie Hugo und Bergmannsglück. Die RAG beschreibt Hohlräume aus der Steinkohlenförderung, die zu „Verformungen, wie beispielsweise Senkungen“ führen können. Ob das für Ihr Grundstück zutrifft, klärt der Bürgerinformationsdienst der RAG, die Hotline 0800 / 27 27 271 oder die Bezirksregierung Arnsberg gegen 30 Euro Pauschalgebühr. Für die Anlage zählt die Dachstatik.
PV in der Nähe
Auch die Nachbarschaft beliefern wir vom Krefelder Standort aus — überall mit anderen Netzregeln und anderen Fristen.